Qi Gong und das Universal Healing Tao-System (UHT)

Was ist das UHT?

 

Der große Weg ist sehr einfach, aber die Menschen lieben die Umwege. - Lao-Tzu

 

UHT steht für „Universal Healing Tao“ und wurde von Großmeister Mantak Chia entwickelt. Er stellte in diesem umfassenden System die zum Teil Jahrtausende alten Praktiken aus der chinesischen Tradition zusammen, die er selbst von seinen Meistern und Mentoren erlernt hat.

Das UHT soll nach dem Willen seines Entwicklers jedem Übenden die Möglichkeit geben, Körper, Geist und Seele harmonisch zu vereinen und sich weiterzuentwickeln. Die Übungen des UHT geben den Praktizierenden ein Werkzeug an die Hand, mit denen eigenverantwortlich Wohlbefinden auf allen Ebenen des Daseins erreicht und aufrechterhalten werden kann. Spirituelles Wachstum kann so unabhängig von irdischen Institutionen durch eigene Praxis verwirklicht werden.

 

Der Körper wird gesünder und langfristig gesund erhalten, der Geist profitiert von emotionaler Ausgeglichenheit und die Seele kann sich durch spirituelle Unabhängigkeit wesensgemäß entfalten. Die von Mantak Chia als „spiritual independence“ bezeichnete Autonomie versetzt den Praktizierenden in die Lage, sich von Dogmen und sogenannten Meistern zu befreien und selbstbestimmt zu leben.

 

Auf Grund dieses anarchisch anmutenden Gedankens aus dem Taoismus wurden Praktizierende und Meister in der Vergangenheit oft argwöhnisch beäugt – mit ein Grund für die bisherige historische Geheimhaltung vieler Praktiken, die im UHT zusammenkommen und sich via Mantak Chia in der Welt verbreiten. In China gelten innere meditative Praktiken noch heute als verdächtig.

 

Erhoffst du Erfüllung von anderen, wirst du nie wahre Fülle erlangen.“ - Lao-Tzu

 

In dieser angestrebten Autonomie des Praktizierenden liegt aber auch die Aufforderung, das UHT nicht nur zu konsumieren. Wirklich Früchte trägt die taoistische Praxis nur, wenn sie sorgsam gehegt und gepflegt und in Wesen und Handeln des Praktizierenden integriert wird. Praktiziert werden sollte also insbesondere auch jenseits von Workshops und regelmäßigen Gruppen.

 

Ebenso geübt werden sollte auch die Unterscheidung und Entscheidung hinsichtlich dem, was mir als Praktizierendem gut tut und was nicht und entsprechend zu handeln, getreu dem Zitat Lao-Tzus: „Beim Streben nach Wissen wird täglich etwas hinzugefügt. Bei der Einübung ins Tao wird täglich etwas fallen gelassen.“

 

Die Lehrer des UHT sind nach Prüfung durch Mantak Chia oder Senior Instructors autorisiert, das System anderen zu vermitteln. Sie sollen die Praktizierenden in ihrer Selbstwerdung unterstützen, sie aber nicht zu gehorsamen Anhängern oder dogmatischen Fanatikern machen.

 

 

Die Facetten des UHT

 

Das Heilende Tao ist ein umfangreiches Übungssytem und beinhaltet Qi Gong, Tai Chi und Meditation. Zudem gehören Massagepraktiken dazu, insbesondere der inneren Organe, auch als Chi Nei Tsang bekannt. Schließlich integriert Energiearbeit alle Elemente der Praxis, so dass jeder Interessierte und Praktizierende je nach Neigung und Entwicklungsstand seinen Schwerpunkt anders setzen kann.

 

Zielt jede dieser Übungsformen auf Heilwerden und Ganzheit ab, insbesondere in Kombination mit den anderen Elementen des UHT, so ist der Fokus jeder Übungsform doch ein anderer.

 

 

Das Qi Gong

 

Das Qi Gong ist eine im wesentlichen körperorientierte Übungsform, die der Erhaltung und Steigerung der Gesundheit dient. Dabei werden Bewegungen sehr bewusst ausgeführt. Durch die Einheit von Bewusstheit, Bewegung und Atem verändert und intensiviert sich die Körperwahrnehmung, was auch unmittelbare und nachhaltige positive Auswirkungen auf das seelische Befinden hat.

 

Mit zunehmender Bewusstheit stellen sich auch Wahrnehmungen von Energie ein. Traut man sich am Anfang meist selbst noch nicht über den Weg, ob es nicht eher Wunschvorstellung oder Einbildung ist, so intensiviert sich das Empfinden mit fortschreitender Praxis und ist bald über jeden Zweifel erhaben.

 

Das Spielen mit dem Chi-Ball zwischen den Händen vermittelt ein deutliches Gefühl von Dichte, Präsenz oder Wärme. Schließlich verfeinert sich die gesamte Wahrnehmung, so dass sich auch energetische Wahrnehmungen an anderen Körperteilen oder das Empfinden von strömender Energie im Körper einstellen.

 

Anders als beim Tai Chi erscheinen die Qi Gong-Übungen vordergründig recht einfach in ihrer Ausführung. Sie werden meist auf der Stelle stehend ausgeführt und die Bewegung erfolgt aus den Hüften, Beinen, Armen und Rücken.

 

Mit liebevoller Geduld und Konsequenz in der Praxis eröffnen sich aber ganz von selbst teils erstaunliche Tiefendimensionen. Dies umso mehr, je weniger man die Übung bei der Durchführung „macht“, sondern sich ihr hingibt und überlässt, ganz im Sinne des Wu Wei, des „Handelns durch Nicht-Handeln“. Lao-Tzu sagt: „Stimmst du mit dem Weg überein, durchströmt dich seine Kraft. Dein Tun wird naturnah, deine Art die Art des Himmels.“

 

Die Praxis des eher sanften, gesundheitsfördernden Qi Gong verbessert auch die Fähigkeit, sich in den Kämpfen des täglichen Lebens zu behaupten, sei es am Arbeitsplatz, im sozialen Bereich oder bei tatsächlichen physischen Kämpfen. Umgekehrt stärkt das dynamische, eher auf Kampf orientierte Tai Chi auch die Gesundheit des Praktizierenden. Ähnlich wie Yin und Yang ergänzen sich auch Qi Gong und Tai Chi zu einem Ganzen, das mehr ist, als die Summe seiner Teile – denn mit fortschreitender Praxis sinkt die Notwendigkeit, überhaupt Kämpfen zu müssen.

 

 

Das Tai Chi

 

Tai Chi-Übungen sind in gewissem Sinne Kampfkunst in Zeitlupe. Komplexe, choreographische Bewegungsfolgen werden eingeübt, bei denen man sich drehend und schreitend durch den Raum bewegt. Tai Chi, Kung Fu und Selbstverteidigung stehen in engem Zusammenhang.

 

Werden die Übungsfolgen schnell ausgeführt, womöglich durch Laute unterstützt, verliert das Tai Chi seine Beschaulichkeit und der Kampfkunstaspekt wird sehr deutlich. Wie im vorherigen Abschnitt gesagt, ergänzen sich das gesundheitsorientierte Qi Gong und das dynamische Tai Chi auf ideale Weise.

 

 

Der Kleine und Große Energiekreislauf (auch: Himmelszyklus)

 

Eine grundlegende Übung der taoistischen Praxis und damit des UHT ist der kleine Energiekreislauf. Er dient dazu, eigene innere Energien oder Energien aus der Umwelt zu sammeln und zu harmonisieren. Der kleine Kreislauf ist das Bindeglied zwischen den körperlichen, geistigen und spirituellen Aspekten unseres Daseins.

 

Er ist Ausdruck der taoistischen Philosophie der All-Verbundenheit. Alle Dinge stehen in Kontakt miteinander. Wir sind, entgegen der scheinbar offensichtlichen Trennung, auf fundamentaler Ebene mit dem Universum und den Dingen darin verbunden. Der Mensch und alles, was lebt und existiert, lebt in, mit und durch das Universum.

 

Nicht nur sind wir Teil des Universums, das Universum ist auch Teil von uns. Sogar und gerade auf physikalischer Ebene, ist unser Körper doch aus chemischen Elementen zusammengesetzt, die in Generationen von Sternen vom Stoff des Ursprungs, Wasserstoff, bis hin zu den schweren Elementen wie Eisen, Phosphor etc. gewandelt wurden und schließlich durch Supernova-Explosionen im All verteilt wurden, bevor die Erde und unsere Körper aus diesem Sternenstaub entstanden.

 

We are stardust, we are golden.“ - Joni Mitchell

 

Es ist ein Moment der Erleuchtung, wenn diese wissenschaftlich fundierte Tatsache nicht nur theoretisch mit dem analytischen Verstand erfasst wird, sondern in ihrer kaum zu übertreibenden Bedeutung auch seelisch als wahr erkannt wird – fern von esoterischem Einheitsgeschwurbel. Durch konsequente Praxis des Tao kann dieses Bewusstsein auch jenseits des Erleuchtungsmoments aufrechterhalten und in den Alltag integriert werden.

 

 

Yin und Yang

 

Diese Tatsache der All-Verbundenheit und der fundamentalen All-Einheit verbietet von selbst jede Form der entwertenden Diskriminierung. Gleichwohl wird durch die Praxis Unterscheidungsfähigkeit und Anerkenntnis bestehender Unterschiede als auch unterschiedlicher Qualitäten gefördert. Letztere zeigen sich insbesondere im sich ergänzenden Miteinander des männlichen und weiblichen Prinzips.

 

Es sind keine Gegensätze, die feindlich oder sich gegenseitig ausschließend gegenüber stehend. Es sind Pole eines Kontinuums, sie sind komplementär und ergänzen sich auf natürliche Weise zu einem größeren Ganzen, das nicht ohne das eine oder das andere gedacht werden kann.

 

Ewiger Tag oder ewige Nacht wäre ebenso wenig wünschenswert wie ewiger Sommer oder ewiger Winter. Nur durch den Berg gibt es das Tal, und der Berg wird zum Berg durch seine Qualität des ruhenden Sich-Erhebens über das Tal.

 

Tertium datur – ein Drittes ist gegeben

 

Feindliches sich Ausschließen ist dem Tao fremd. Unterschiede gehören dazu, allerdings ergänzen sie sich und ergeben erst zusammengenommen ein Ganzes. Tritt man aus der Polarität heraus, so gibt es einen Ort des Dritten, der erst die Ganzheit scheinbarer Gegensätze erkennen lässt. Durch die Praxis des Tao begibt man sich an diesen dritten Ort, der seinerseits ebenso dazu gehört und die Perspektive der Einheit erst möglich macht.

 

Solange einer der Pole noch bevorzugt wird und für gut oder der andere für schlecht gehalten wird, ist man noch von der Geisteshaltung der Trennung und Spaltung durchdrungen. So ist man auch bemüht, an dem für gut befundenen Pol festhalten zu wollen und den für schlecht befundenen Pol meiden zu wollen. Diese Trennung der Pole aufrechtzuerhalten kostet viel Kraft und schafft Verwicklungen auf vielen Ebenen – weit entfernt vom natürlichen Fluss innerer Harmonie.

 

Diese sich ergänzende Polarität findet auch ihren Niederschlag in den taostischen Übungen. Sie können dynamisch oder entspannend sein und sie behalten immer eine aktive Yang- und eine passive Yin-Phase, die Raum öffnet, so dass sich das in der aktiven Phase Angestoßene entfalten kann. Der Samen braucht die Ruhe und das Wasser zur Entfaltung.

 

Padmasambhava sagt: „Man irrt nicht durchs Wahrnehmen, man irrt durchs Klammern; Aber indem der Geist selbst um sein Klammern weiß, befreit er sich.“

 

 

Das Universal Healing Tao (UHT) – Bausteine für ein gelingendes Leben

 

Das UHT ist so strukturiert, dass die Übungen sich ergänzen und nach und nach Stück für Stück erworben und zusammengefügt werden können. Je nach Bedürfnis können die jeweils passenden und hilfreichen Übungen gewählt werden.

 

Hat man eine Übung gelernt und verinnerlicht, kann man zur nächsten übergehen. Es gibt keinen Leistungsdruck und keine Überforderung, allein die eigene Motivation und das eigene Bedürfnis sind Motor der individuellen Praxis.

 

Nach und nach kann man so von den Basisübungen wie den Sechs Heilenden Lauten und dem Inneren Lächeln, die den Kontakt zum eigenen Körper und tiefere Harmonie vermitteln, zu weiteren Praktiken fortschreiten - Elemente des Eisenhemd-Qi Gong oder des Dan Tien-Qi Gong dienen dann dazu, das Gefühl der inneren Mitte zu stärken, sowie die zur Verfügung stehende Energie zu vergrößern und qualitativ zu verfeinern.

 

Der kleine Energiekreislauf integriert die Energien ins System. Massagetechniken des Chi Nei Tsang befreien den Körper und die Organe auf anderen Ebenen von Blockaden und ermöglichen weitere Integration von Energie und Selbst. Mit dem UHT arbeitet man also sowohl an der Qualität der Energie, als auch an der Quantität der Energie – ganz nach Zustand und Bedürfnis des Praktizierenden.

 

Was wir im Innern erarbeiten, verändert auch unsere äußere Realität.“ - Otto Rank

 

 

Das Tao ist ohne Anfang und ohne Ende

 

Das vorläufige Endziel der Facetten des UHT und allgemein taoistischer Praxis in diesem Leben ist die Vorbereitung auf die letzte Reise. Mit gesammeltem, ruhigen Geist und harmonisiertem Wesen die Tür des Todes zu durchschreiten und die Schwelle ohne Angst überqueren zu können. So gesehen ist ein Ziel des Lebens, das Sterben zu lernen.

 

Wer andere kennt, ist klug. Wer sich selbst kennt, ist weise. Wer andere besiegt, hat Kraft. Wer sich selber besiegt, ist stark.“ Lao-Tzu